FPÖ Zukunftsvisionen

Hans Käferböck

Plattform für Kultur und Menschlichkeit 12/2025

Schöne neue Welt? Der Albtraum hinter den FPÖ-Zukunftsvisionen.

Ein bisschen Jammern über illegale Migration, ein bisschen Angst, dass 2050 niemand mehr Deutsch versteht – die Botschaft von FPÖ-Gemeinderat Marco Ratzenböck liest sich wie das Standard-Drehbuch seiner Partei. Dass die geforderte politische Wende jedoch der Freifahrtschein in eine illiberale Autokratie und das geopolitische Chaos wäre, rechnet ihm Hans Käferböck nun in einem persönlichen Brief vor. Eine sarkastische Abrechnung mit dem naiven Glauben, dass der Rückzug in den Nationalismus die Probleme von morgen löst.

Hallo Marko,
ich habe Deinen Text gelesen und mir meine eigenen Gedanken darüber gemacht.

Ratzenböcks Visionen

Wenn es der FPÖ nicht nur in Freistadt gelingt, ihre Schwerpunkte durchzusetzen, sondern auch europaweit ähnliche Parteien noch mehr Einfluss bekommen, wird sich die Welt in den nächsten 25 Jahren doch wesentlich verändern.

Durch die gleichzeitige Unterstützung von Putin und Trump ist der Krieg in der Ukraine zu Ende, Russland bekriegt jetzt Polen. Kanada ist der 51. Bundesstaat der USA, auch Grönland gehört den USA. Panama wird von einem US-Unternehmen verwaltet. In Südamerika wurden die linken Diktatoren durch rechte Diktatoren ersetzt. Ihre Boden­schätze beuten Amerikanische Unternehmen rücksichtslos aus. Vom Amazonas-Regenwald gibt es nur noch Reste.

Die Mitglieder der EU haben ihre Selbständigkeit wieder. Ohne auf andere Staaten Rücksicht nehmen zu müssen, kann jedes Land selbst entscheiden, welche UN-Initiativen es unterstützt, die Umweltstandards selbst definieren, die Menschenrechtskonvention selbst interpretieren. Österreich kann selbst Verhandlungen mit Handelspartnern führen, Zollschranken mit den USA verhandeln. Mit bescheidenem Erfolg, wenn international das Recht des Stärkeren gilt. In der EU gibt es wieder Grenzkontrollen, weil jedes Land selbst entscheidet, wie es mit Migranten umgeht.

Auch in Österreich hat sich einiges geändert. Es gibt keine ORF-Gebühren, der ORF wurde privatisiert, Medienförde­rung radikal reduziert. Für Berichte im Sinne der Regierung gibt es Werbeeinschaltungen. Das haben regierungs­kritische Medien nicht überlebt.

Durch geschicktes Ausnützen der Möglichkeiten einer liberalen Demokratie ist es der FPÖ gelungen, die Verfassung in ihrem Sinne zu ändern und in Österreich eine illiberale Demokratie nach dem Vorbild von Orbans Ungarn zu installieren.

Oder wird all das schon früher Wirklichkeit.

Viel persönlichen,
deutlich weniger politischen Erfolg im Jahr 2026

Hans Käferböck

PS: Freundliche Grüße auch an deinen Vater.